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„Wir arbeiten heute mehr strategisch"

Von: Jeversches Wochenblatt 08.05.2019

INTERVIEW - Als die Vorstandsarbeit noch in der „Kajüte“ stattfand – Eckhard Kohls hat schon Pläne für die Zeit nach dem MTV

Eckhard Kohls mit seinem treuen Wegbegleiter „Baron“. Für ihn hat er in Zukunft mehr Zeit.

Frage: Wenn Sie auf Ihre 38 Jahre Vorstandsarbeit zurückblicken, was ist nachhaltig in Erinnerung geblieben?

Eckhard Kohls: Überwiegend war die ganze Vorstandszeit positiv. Es gab nur wenige negative Erlebnisse. Wenn ich zurückdenke, an den Beginn, da war ich 31 Jahre alt. Ich hatte überhaupt keine Erfahrung im Ehrenamt. Der MTV suchte einen Schatzmeister. In einer Phase, in der beim MTV nicht alles rund lief wurde aufgedeckt, dass der damalige Vorstandsvorsitzende während des Baus der Tennishalle, die ja in den 70ern konzipiert wurde, seine Fenster privat über das Konto des MTV abgerechnet hatte. Das war ein Tiefpunkt. Es wurde alles zurückbezahlt, dem Verein ist kein Schaden entstanden. Der Schatzmeister trat danach, als die Tennishalle fertig war aber auch zurück. Die Sache war für ihn damit erledigt. Der Vorstand war dann ohne Finanzvorstand. Ich selbst war bei der AOK beschäftigt, also kein Finanzmann in dem Sinne. Nach langer Bedenkzeit habe ich das Amt dann aber übernommen. Ich habe die Arbeit immer nach Feierabend gemacht. Ich frage mich heute noch, wie ich das alles geschafft habe.

Frage: Wie haben Sie Arbeit, Verein und Familie unter einen Hut bekommen?

Eckhard Kohls: 1981 hatten wir zwei Kinder, die waren sechs und zwei Jahre alt, 1989, als ich Vorsitzender des Vorstandes wurde, waren sie zehn und 14. Das war eine Phase, wo ich eigentlich auch zu Hause gefordert war. Dann war ich auch mal halt nicht da. Die Last lag auf meiner Frau. Aber wir haben uns da immer abgestimmt. Ich habe immer zu ihr gesagt, wenn es nicht geht, dann müssen wir darüber sprechen und dann müssen wir das ändern. Wir haben es aber hingekriegt.

Frage: War die Vereinsarbeit in ihren Anfängen eine andere?

Eckhard Kohls: Es gab zu der Zeit noch keine EDV-Unterstützung. Die Arbeit heute im Vorstand ist wesentlich einfacher geworden. Wir kommunizieren per E-Mail, wir haben eine Whatsapp-Gruppe, wenn es mal schnell gehen muss. Das hat die Arbeit im Vorstand revolutioniert. Wir hatten die erste Geschäftsstelle in der Tennishalle, da gab es einen kleinen Raum, der war 2,5 Meter mal vier Meter groß. Es gab dort keinen Schreibtisch, sondern eine Platte am Fenster entlang und einen Unterschrank. Links und rechts standen die Akten. Mehr war da nicht. Die Arbeit war einfach eine andere. Mitte der 90er kam dann die EDV, ich hatte sowas nicht zu Hause und musste nach der Arbeit immer noch in die Geschäftsstelle. Um 23 Uhr kam dann häufig von meiner Frau der Anruf, wann ich denn nach Hause komme. Heutzutage haben wir Dinge wie die Buchhaltung natürlich ausgelagert. Das muss auch so sein.

Frage: Macht die Vorstandsarbeit heute noch genauso viel Spaß?

Eckhard Kohls: Ja! Es war zwar damals eine andere, heute macht es mir, und ich behaupte den anderen auch, genauso viel Spaß. Wir arbeiten heute mehr strategisch, das gab es damals so nicht. In meiner Anfangszeit fanden Vorstandssitzungen immer in der „Kajüte“ statt und anschließend haben wir ein paar Bier genommen. Da hat es auch mal bis weit nach Mitternacht gedauert, bis wir nach Hause kamen. Heute geht das gar nicht mehr so.

Frage: Vorstandsarbeit ist Teamarbeit?

Eckhard Kohls: Ich habe die ganze Arbeit ja nicht alleine gemacht. Ich habe immer gute Leute um mich herum gehabt – von Anfang an. Es waren immer Bänker dabei, die sich um die Finanzen gekümmert haben nach meiner Schatzmeisterzeit. Zuverlässige Leute, die wussten, worum es geht. Wir konnten auch auf dem kleinen Weg vieles regeln. Mit Gerd Frerichs haben wir einen Glücksgriff gehabt, einen Mann, der sich um unseren Grund und Boden gekümmert hat, also alles, was sich auf unserer Sportanlage bewegt. Er war auch immer der ausgleichende Part im Vorstand, der Ruhige im Hintergrund, der zuverlässig seinen Part gemacht hat.

Frage: Sie haben schon früh auf den Gesundheits- und Fitnessbereich gesetzt...

Eckhard Kohls: Ich kam von der AOK und hatte deshalb Informationen was läuft und was vielleicht nicht so. Wir wollten Wirbelsäulengymnastik einführen, da haben andere über uns gelacht. Auch als wir Aerobic angeboten haben, hat sich der Turnkreis darüber amüsiert, was für einen neumodischen Kram wir machen. Aerobic ist heute ja nur noch ein Begriff von vielen. Als in den 90er Jahren die Fitnessstudios aufkamen und immer mehr Leute dahin gingen, da mussten wir einfach dran bleiben. So kamen die Gedanken für einen Gerätepark auf. Ihn aufzubauen war die richtige Entscheidung. Genau wie damals zu Boomzeiten es richtig war, die Tennishalle zu bauen.

Frage: Nach so langer Zeit im Verein, haben Sie da nicht Angst jetzt in eine kleines Loch zu fallen?

Eckhard Kohls: Ich bin 2013 aus der AOK ausgeschieden nach 49,5 Jahren. Da haben alle zu mir das gleiche gesagt. Ohne AOK kannst Du doch nicht. Ich habe bei der Gesundheitskasse einen Abgang und einen Haken dran gemacht, erledigt. Der MTV ist mehr als mein halbes Leben. Aber ich wusste das, ich habe mich darauf vorbereitet. Das ist auch der Grund, warum ich und meine Frau uns ein Wohnmobil zugelegt haben. Weil ich gesagt habe, jetzt kann ich noch mal, immer vor dem Hintergrund man bleibt gesund. Das ist für mich und uns sowieso der größte Wunsch. Jetzt können wir noch ein bisschen Zeit gemeinsam genießen, ohne Termine ohne alles. Das war eigentlich mein Ziel. Ich hätte ja auch noch weitermachen können, vielleicht auch mit weniger Arbeit, Repräsentation und sowas.

Die Arbeit in der Führungsspitze hat sich in den drei Jahrzehnten stark gewandelt.

JEVER. Wenn es einen „Mr. MTV Jever“ gibt, dann ist es sicherlich er: Eckhard Kohls. Seit 30 Jahren steht er an der Führungsspitze des größten jeverschen Vereins, kann auf 38 Jahre Vorstandsarbeit zurückblicken und hat dabei in der Vergangenheit wohl wie kein anderer das Gesicht des Vereins geprägt. Am Montag ist Schluss. Dann gibt der Vorsitzende des Vereins sein Amt in jüngere Hände ab. Es ist ein gut gewählter Zeitpunkt